Aus aktuellem Anlass. Bald sind bekanntlich Ferien. Manche glauben, das haben wir immer. Wir gehen zum Spaß ins Theater, trinken für lau auf dem Weinfest und tanzen auf jeder Goldhochzeit, über die wir berichten. Mitnichten, auch das ist harte Arbeit, die erschwert wird, wenn man Kinder hat und weder Mann, Oma oder Opa in der Nähe sind. Da ist es schon Urlaub, wenn man die Kids nicht wegorganisieren muss. Okay, diesmal hatte ich sie für länger wegorganisiert. Weit weg. Auf Sprachreise - drei Wochen England. Das bedeutete 21 (freie) Tage für mich. Ich erinnere mich noch sehr gut, an meine "anfängliche" euphorische Stimmung.
Auf der Fahrt vom Flughafen nach Hause überlegte ich mir, was ich alles machen werde und vor allem, was ich nicht mehr machen muss: Zuerst stellte ich einen altersgerechten Sender im Autoradio ein, Rapp rauf und runter brauch’ ich ja nun nicht mehr hören, vor allem bin ich nicht schwerhörig, noch nicht.
Der Wagen bleibt demnächst sowieso öfter in der Garage, die Hol- und Bringdienste sowie der private Taxiservice für die Kids und ihre Freunde, bevorzugt um Mitternacht, fällt die nächsten Wochen ja flach.
Aufstehen, wann ich will, frühstücken,
auch. Kochen was, ich mag und vor allem nicht drei verschiedene
Gerichte und keine Nörgelei. „Das ess’ ich nicht.“ Oder
plötzliches Mitleid mit allem, was vier Beine hat. „Das arme
Schwein. Mama, ich bin seit heute morgen Vegetarier, habe ich das
noch nicht erzählt ?“ Die
nächsten drei Wochen kommt Fleisch und Fisch wieder auf den Tisch,
ohne dass ich mich entschuldigen muss.
„Herrlich“, denke ich. Keine
Wäsche- und Bügelberge, keine im Weg liegenden Kleidungstücke und
Schuhe. Das Bad ist ständig frei und der Abfluss auch, weil keine
langen Haare ihn verstopfen. Zahnpasta klebt nicht mehr im
Waschbecken, Klopapier ist immer vorhanden, der Spiegel klar und der
Fußboden trocken statt mit Resten vom ausgiebigen Schaumbad
überschwemmt.
Keine laute Techno-Musik, keine
Endlos-Diskussionen über unaufgeräumte Zimmer und keine
stundenlangen Debatten, „Warum dürfen alle meine Freundinnen bis
zwei morgens in die Disco und ich nicht ?“
Keine Nachhilfestunden und keiner der
sagt. „Mama, kannste mir mal eben noch Patronen besorgen, wir
schreiben morgen eine Klassenarbeit. Ich kann ja nicht, ich muss
noch das Referat fertig machen.“ Versteht sich von selbst, dass
man dann in die Stadt fährt und kurz vor Ladenschluss ins Geschäft
stürzt. Oder „Mama, ich brauche morgen das weiße Top, die
schwarze Hose und den roten Schal für unseren Tanzauftritt.“ Dank
Waschmaschine und Trockner kein Problem, obwohl man mit dem Haushalt
eigentlich schon fertig war und ganz etwas Anderes vorhatte. Aber
wozu aufregen, solche Notfall-Aktivitäten kann man die nächsten
Tage getrost vergessen.
Jetzt habe ICH Urlaub ! Keine Hektik,
kein Stress. Das habe ich mir verdient, mal tun und lassen, was ich will. Schreiben in Ruhe und wann ich will, ohne gestört zu werden. Nach Hause kommen, wann es beliebt und nicht zum Reitstall hetzen, so zwischen zwei Terminen, um Kind Eins beim Springreiten zu bewundern, um anschließen Kind Zwei bei der Schulaufführung zu applaudieren. Warum nur gefällt mir das schon nach
drei Tagen nicht mehr ?
Statt die Ruhe zu genießen, habe ich
das Gefühl, mir fällt die Decke auf den Kopf. Es ist so verdammt
still, dass ich das Radio anstelle, sogar Rappmusik höre. Laut.
Manchmal halte ich es nicht mehr aus, dann rufe ich an, nur um zu
hören: „Mir geht’s gut, Mama, nein, ich habe wirklich kein
Heimweh. Wir kommst Du dadrauf, ich vermisse gar nichts.“ Und. „Mach Dir noch ein paar schöne Tage, wenn wir
wieder da sind, wird’s wieder stressig.“ Na, hoffentlich !
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