Montag, 14. Juli 2014

Urlaubsfreuden

Die besten Wochen des Jahres: Urlaub 


Aus aktuellem Anlass. Bald sind bekanntlich Ferien. Manche glauben, das haben wir immer. Wir gehen zum Spaß ins Theater, trinken für lau auf dem Weinfest und tanzen auf jeder Goldhochzeit, über die wir berichten. Mitnichten, auch das ist harte Arbeit, die erschwert wird, wenn man Kinder hat und weder Mann, Oma oder Opa in der Nähe sind. Da ist es schon Urlaub, wenn man die Kids nicht wegorganisieren muss. Okay, diesmal hatte ich sie für länger wegorganisiert. Weit weg. Auf Sprachreise - drei Wochen England. Das bedeutete 21 (freie) Tage für mich. Ich erinnere mich noch sehr gut, an meine "anfängliche" euphorische Stimmung.
Auf der Fahrt vom Flughafen nach Hause überlegte ich mir, was ich alles machen werde und vor allem, was ich nicht mehr machen muss: Zuerst stellte ich einen altersgerechten Sender im Autoradio ein, Rapp rauf und runter brauch’ ich ja nun nicht mehr hören, vor allem bin ich nicht schwerhörig, noch nicht.
Der Wagen bleibt demnächst sowieso öfter in der Garage, die Hol- und Bringdienste sowie der private Taxiservice für die Kids und ihre Freunde, bevorzugt um Mitternacht, fällt die nächsten Wochen ja flach.
Aufstehen, wann ich will, frühstücken, auch. Kochen was, ich mag und vor allem nicht drei verschiedene Gerichte und keine Nörgelei. „Das ess’ ich nicht.“ Oder plötzliches Mitleid mit allem, was vier Beine hat. „Das arme Schwein. Mama, ich bin seit heute morgen Vegetarier, habe ich das noch nicht erzählt ?“ Die nächsten drei Wochen kommt Fleisch und Fisch wieder auf den Tisch, ohne dass ich mich entschuldigen muss.
Herrlich“, denke ich. Keine Wäsche- und Bügelberge, keine im Weg liegenden Kleidungstücke und Schuhe. Das Bad ist ständig frei und der Abfluss auch, weil keine langen Haare ihn verstopfen. Zahnpasta klebt nicht mehr im Waschbecken, Klopapier ist immer vorhanden, der Spiegel klar und der Fußboden trocken statt mit Resten vom ausgiebigen Schaumbad überschwemmt.
Keine laute Techno-Musik, keine Endlos-Diskussionen über unaufgeräumte Zimmer und keine stundenlangen Debatten, „Warum dürfen alle meine Freundinnen bis zwei morgens in die Disco und ich nicht ?“
Keine Nachhilfestunden und keiner der sagt. „Mama, kannste mir mal eben noch Patronen besorgen, wir schreiben morgen eine Klassenarbeit. Ich kann ja nicht, ich muss noch das Referat fertig machen.“ Versteht sich von selbst, dass man dann in die Stadt fährt und kurz vor Ladenschluss ins Geschäft stürzt. Oder „Mama, ich brauche morgen das weiße Top, die schwarze Hose und den roten Schal für unseren Tanzauftritt.“ Dank Waschmaschine und Trockner kein Problem, obwohl man mit dem Haushalt eigentlich schon fertig war und ganz etwas Anderes vorhatte. Aber wozu aufregen, solche Notfall-Aktivitäten kann man die nächsten Tage getrost vergessen.
Jetzt habe ICH Urlaub ! Keine Hektik, kein Stress. Das habe ich mir verdient, mal tun und lassen, was ich will. Schreiben in Ruhe und wann ich will, ohne gestört zu werden. Nach Hause kommen, wann es beliebt und nicht zum Reitstall hetzen, so zwischen zwei Terminen, um Kind Eins beim Springreiten zu bewundern, um anschließen Kind Zwei bei der Schulaufführung zu applaudieren. Warum nur gefällt mir das schon nach drei Tagen nicht mehr ?
Statt die Ruhe zu genießen, habe ich das Gefühl, mir fällt die Decke auf den Kopf. Es ist so verdammt still, dass ich das Radio anstelle, sogar Rappmusik höre. Laut. Manchmal halte ich es nicht mehr aus, dann rufe ich an, nur um zu hören: „Mir geht’s gut, Mama, nein, ich habe wirklich kein Heimweh. Wir kommst Du dadrauf, ich vermisse gar nichts.“ Und. „Mach Dir noch ein paar schöne Tage, wenn wir wieder da sind, wird’s wieder stressig.“ Na, hoffentlich !



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen