Von Sonntagsfahrern
und der Schwierigkeit einen Parkplatz zu finden
Meine
Armbanduhr habe ich fünf Minuten vor gestellt, in der Hoffnung, so
jedenfalls öfter pünktlich zu sein. Aber irgendwie schaffe ich es
trotzdem nie, ich fahre zu spät los und meistens finde ich dann auch
keinen Parkplatz. Oder so einen, in denen ich mich mit meinem
Schlitten reinquetschen muss. Doch das übt, vorne und hinten passt
manchmal nur eine Zeitung, aber ich bin drin. Deshalb gehen mir
Sprüche wie „Warum leben Frauen länger?“ „Weil der liebe
Gott ihnen die Zeit beim Einparken gutschreibt“ oder „Typisch
Frau am Steuer“ tierisch auf die Nerven.
Zügig
fahren ist meine Devise. Gerade bei Orange-rot. Nicht schon 100 Meter
vor der Ampel oder dem Blitzer auf die Bremse treten, mit 30 auf der
kurvenreichen Landstraße dahinrollen oder nachts in der
menschenleeren Stadt,. Meistens sitzen ältere Herrschaften am Steuer
mit Hut, den Wackeldackel auf der Rückbank neben der Klorolle mit
Häkelüberzug. Da möchte ich nur zu gerne ein Schild raushalten,
mit dem Hinweis „Gas ist rechts.“
Was
verkehrsbehinderndes Autofahren oder langwieriges Einparken mit dem
Geschlecht zu tun hat, habe ich noch nie verstanden. Das sind doch
nur Vorurteile. Es kommt nicht nur drauf an, wer drin sitzt, sondern
auch auf Automarke, Kennzeichen und Aufkleber. Wer aus dem Landkreis
„WL“ kommt, fährt eben wie ein wilder Landwirt, auch wenn er
keiner ist. „PI“ steht für pennt immer, also auch während der
Fahrt. BMW-Fahrer sind von der Körpergröße meistens klein und
können daher nicht übers Armaturenbrett gucken und somit keine
Verkehrsschilder erkennen. Oder die Familienkutschen mit den
„Ach-so-informativen-Hinweisen“ wie „Susi und Strolchi an Bord“
oder „Warum fahren sie so dicht auf?“ Damit ich die
geistreichen Sprüche lesen kann, du Depp. Nicht weil du so langsam
dahinrollst, dass man nebenher Blumen pflücken kann.
Vielleicht
haben manche „Sonntagsfahrer“ ja vor ins Feld zu fahren, oder
warum sonst blinken sie plötzlich beim Einbiegen in den Kreisel,
obwohl doch nur diese eine Fahrbahn da ist. Dafür vergessen diese
vorbildlichen Autofahrer dann anzuzeigen, wann sie den Kreisverkehr
verlassen wollen. Vielleicht fehlt aber einfach nur der Blinker, wie
beim Mercedes, der einzigen Automarke mit eingebauter Vorfahrt. Hat
man einen Parkplatz gefunden, seine Rückwärts-Einpark-Operation mit
Blinken ankündigt, bugsiert der silbergraue Bonze sein ebenfalls
silbernes Schlachtschiff von vorne in die Lücke. „Wie Panne ist
das denn, wo hat der den seinen Führerschein gewonnen?“
„Mach’
dir nichts draus, sicherlich hatte er eine schlechte Kindheit und
muss das Defizit auf diese Weise wieder ausgleichen“, versucht mein
Beifahrer, ein Doktor der Psychologie, mich zu beruhigen. Zu spät!
Nicht mit mir, auch wenn ich nur einen ganz profanen, spießigen
Volkswagen unterm Hintern habe. „Was fällt ihnen eigentlich ein,
mir den Parkplatz vor der Nase wegzuschnappen? Ich war zuerst da.
Auch wenn sie eine schlechte Kindheit hatten, meine war noch viel,
viel mieser, oder mussten sie etwa Kleider und Woll-Strumpfhosen
anziehen, Zöpfe tragen oder Hochsteckdutts, nachsitzen, weil sie
den Handarbeitsunterricht geschwänzt hatten. Und außerdem habe ich
es eilig, ich bin von der Presse. Also ist doch klar, wer von uns
Anrecht auf den Parkplatz hat, oder?“ Tatsächlich, der Fahrer
startete seinen Wagen und fuhr los. „Ha“, sagte ich zu meinem
Begleiter, als ich in die soeben frei gewordene Parklücke fuhr,
„manchmal helfen Wutausbrüche doch mehr als Verständnis, dem habe
ich es aber gezeigt.“
„Nicht
du, seine Frau oder wer immer die Dame, die am Ende der Straße mit
den vielen Einkaufstaschen steht, auch ist, die hat ihm eben gewunken
und da ist er sofort losgefahren. Aber egal, wir haben jendenfalls
einen Parkplatz und kommen diesmal nicht zu spät ins Theater.“
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