Samstag, 26. Juli 2014

"Rasende" Reporterin

Von Sonntagsfahrern und der Schwierigkeit einen Parkplatz zu finden

Meine Armbanduhr habe ich fünf Minuten vor gestellt, in der Hoffnung, so jedenfalls öfter pünktlich zu sein. Aber irgendwie schaffe ich es trotzdem nie, ich fahre zu spät los und meistens finde ich dann auch keinen Parkplatz. Oder so einen, in denen ich mich mit meinem Schlitten reinquetschen muss. Doch das übt, vorne und hinten passt manchmal nur eine Zeitung, aber ich bin drin. Deshalb gehen mir Sprüche wie „Warum leben Frauen länger?“ „Weil der liebe Gott ihnen die Zeit beim Einparken gutschreibt“ oder „Typisch Frau am Steuer“ tierisch auf die Nerven.
Zügig fahren ist meine Devise. Gerade bei Orange-rot. Nicht schon 100 Meter vor der Ampel oder dem Blitzer auf die Bremse treten, mit 30 auf der kurvenreichen Landstraße dahinrollen oder nachts in der menschenleeren Stadt,. Meistens sitzen ältere Herrschaften am Steuer mit Hut, den Wackeldackel auf der Rückbank neben der Klorolle mit Häkelüberzug. Da möchte ich nur zu gerne ein Schild raushalten, mit dem Hinweis „Gas ist rechts.“
Was verkehrsbehinderndes Autofahren oder langwieriges Einparken mit dem Geschlecht zu tun hat, habe ich noch nie verstanden. Das sind doch nur Vorurteile. Es kommt nicht nur drauf an, wer drin sitzt, sondern auch auf Automarke, Kennzeichen und Aufkleber. Wer aus dem Landkreis „WL“ kommt, fährt eben wie ein wilder Landwirt, auch wenn er keiner ist. „PI“ steht für pennt immer, also auch während der Fahrt. BMW-Fahrer sind von der Körpergröße meistens klein und können daher nicht übers Armaturenbrett gucken und somit keine Verkehrsschilder erkennen. Oder die Familienkutschen mit den „Ach-so-informativen-Hinweisen“ wie „Susi und Strolchi an Bord“ oder „Warum fahren sie so dicht auf?“ Damit ich die geistreichen Sprüche lesen kann, du Depp. Nicht weil du so langsam dahinrollst, dass man nebenher Blumen pflücken kann.
Vielleicht haben manche „Sonntagsfahrer“ ja vor ins Feld zu fahren, oder warum sonst blinken sie plötzlich beim Einbiegen in den Kreisel, obwohl doch nur diese eine Fahrbahn da ist. Dafür vergessen diese vorbildlichen Autofahrer dann anzuzeigen, wann sie den Kreisverkehr verlassen wollen. Vielleicht fehlt aber einfach nur der Blinker, wie beim Mercedes, der einzigen Automarke mit eingebauter Vorfahrt. Hat man einen Parkplatz gefunden, seine Rückwärts-Einpark-Operation mit Blinken ankündigt, bugsiert der silbergraue Bonze sein ebenfalls silbernes Schlachtschiff von vorne in die Lücke. „Wie Panne ist das denn, wo hat der den seinen Führerschein gewonnen?“
„Mach’ dir nichts draus, sicherlich hatte er eine schlechte Kindheit und muss das Defizit auf diese Weise wieder ausgleichen“, versucht mein Beifahrer, ein Doktor der Psychologie, mich zu beruhigen. Zu spät! Nicht mit mir, auch wenn ich nur einen ganz profanen, spießigen Volkswagen unterm Hintern habe. „Was fällt ihnen eigentlich ein, mir den Parkplatz vor der Nase wegzuschnappen? Ich war zuerst da. Auch wenn sie eine schlechte Kindheit hatten, meine war noch viel, viel mieser, oder mussten sie etwa Kleider und Woll-Strumpfhosen anziehen, Zöpfe tragen oder Hochsteckdutts, nachsitzen, weil sie den Handarbeitsunterricht geschwänzt hatten. Und außerdem habe ich es eilig, ich bin von der Presse. Also ist doch klar, wer von uns Anrecht auf den Parkplatz hat, oder?“ Tatsächlich, der Fahrer startete seinen Wagen und fuhr los. „Ha“, sagte ich zu meinem Begleiter, als ich in die soeben frei gewordene Parklücke fuhr, „manchmal helfen Wutausbrüche doch mehr als Verständnis, dem habe ich es aber gezeigt.“

„Nicht du, seine Frau oder wer immer die Dame, die am Ende der Straße mit den vielen Einkaufstaschen steht, auch ist, die hat ihm eben gewunken und da ist er sofort losgefahren. Aber egal, wir haben jendenfalls einen Parkplatz und kommen diesmal nicht zu spät ins Theater.“

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